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Montag, 29. Oktober 2012

"IST ES NOCH GUT, FÜR UNSER LAND ZU STERBEN?"
Junge Israelis über ihren Dienst in der Armee

Seit seiner Gründung im Jahr 1948 wurden in Israel zahlreiche Mythen gepflegt: Die Israelis eroberten ein nahezu menschenleeres Land. Ihre Armee sei unbesiegbar und ihre Soldaten ihren Gegnern moralisch überlegen.
Doch inzwischen zeigt auch der Armee-Mythos Zerfallserscheinungen. In seinem Buch „Ist es noch gut, für unser Land zu sterben“ untersucht der israelische Ökonom und Politikwissenschaftler David Ranan, welches Verhältnis vor allem junge Israelis zu ihrer Armee haben, und wie das Militär von den Veränderungen in der Gesellschaft betroffen ist. Dafür hat er rund 50 Israelis befragt und 27 dieser Interviews exemplarisch für sein Buch ausgewählt.

Sein Fazit: Die Zahl derer, die sich um den Wehrdienst drücken, nimmt stetig zu. Immer mehr religiös motivierte Soldaten aber – aus Siedlerkreisen und aus religiös-orthodoxen Gruppen – drängen in die Elite- und Kampfeinheiten und besetzen Führungsränge. Wenn sich die Entwicklung so fortsetze, schreibt Ranan, dann gehöre die Armee, so wie sie einst von zionistischen, säkularen Juden gegründet wurde, bald der Vergangenheit an. Im Falle eines Friedensvertrages mit den Palästinensern und einer darin vereinbarten Auflösung von Siedlungen in den besetzten Gebieten werden diese Soldaten kaum an Räumungsaktionen teilnehmen.

David Ranan stammt aus einer deutsch-jüdischen Familie. Er wuchs in Israel auf und diente ab 1965 in der israelischen Armee. Er studierte danach Wirtschaftswissenschaften in Israel und England, arbeitete dann unter anderem als Unternehmensberater. Später absolvierte er noch einmal ein Studium der Kultur- und Politikwissenschaften und lebt heute als freier Autor in London.

David Ranan im Interview: www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1587203/

Vortragssaal der
Rosa-Luxemburg-Stiftung/Peter-Imandt-Gesellschaft
66111 Saarbrücken
Futterstr. 17-19

18.00 UHR

Freier Eintritt!