Archiv 2011




Das-Rathaus-beschallen


Horst Bernard, VVN Saar,
Eröffnungsrede


Gisela Ruge, Rosa-Luxemburg-
Stiftung-Saarland


Dagmar Trenz, Mitglied des Regionalverbands Saarbrücken


Hans-Kurt Hill,
Gemeinderat in Heusweiler


Caroline Conrad, Initiative
Stolpersteine für Völklingen


Pfarrer Dr. Andreas Hämer


Hubert Kesternich, Stadthistoriker


Linker Stadverordneter
Michael Mamiani


Ein Luftballon für jeden toten Zwangsarbeiter



Namensrufe Richtung Rathaus
Mahnaktion auf dem Völklinger Markt zum Gedenken an Röchling-Zwangsarbeiter
 
Bericht von Saarbrücker Zeitung-Mitarbeiter Thomas Annen, erschienen am 15.12. 2011
 
Völklingen. Iwan Lamojan (46), Kita Altanazi (45), Gerasim Tschertok (24) und Wladimir Bogdanow (53) starben während des Nationalsozialismus als Zwangsarbeiter der Völklinger Röchling-Werke. Die Liste der Leidensgenossen mit dem gleichen Schicksal ist lang: Die Namen von rund 200 Opfern wurden am Mittwochmorgen vom Vorplatz in Richtung Neues Rathaus gerufen.

Die Bürgerinitiative Bouser Höhe hatte gemeinsam mit der Peter-Imandt-Gesellschaft/Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Linken-Stadtratsfraktion und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) – Bund der Antifaschisten Saar zu der Mahnaktion aufgerufen. Ein Plakat erklärt den Anlass der Beschallung: Zum Gedenken an die auf dem Völklinger Friedhof beerdigten Frauen und Männer, die auf Befehl Hermann Röchlings aus ihrer Heimat entführt und als Zwangsarbeiter bei den Röchling’schen Eisen- und Stahlwerken durch schwere Arbeit, Hunger, Misshandlung und Typhus ums Leben gekommen sind. „Sie wurden gehalten wie Leibeigene im Mittelalter“, berichtet Horst Bernard vom Bund der Antifaschisten. Mitglieder des Völklinger Bündnisses gegen Fremdenfeindlichkeit haben sich der Aktion angeschlossen. Andreas Hämer, früherer Pfarrer der Versöhnungskirche, findet es wichtig, auf diesen Teil der Stadtgeschichte aufmerksam zu machen.

Nach der Beschallung werden zum Zeichen der Trauer schwarze Luftballons mit den Namen der Opfer in den verregneten Himmel geschickt. „Wir fordern den Stadtrat auf, den Mut und die Größe zu haben, endlich den Makel, der auf Völklingen lastet, zu tilgen, indem er dem Stadtteil, der seit 1938 dreimal umbenannt wurde, seinen früheren Namen Bouser Höhe zurückgibt“, erklärt Günter Danninger von der Bürgerinitiative Bouser Höhe. Mit Blick auf Hermann Röchling fordert er: „Weg mit seinem Namen auf Ortsschildern. Weg mit seinem Bild im Rathaus. Und weg mit seinem Denkmal am U-Block auf der Höhe.“

Wohl auch wegen des schlechten Wetters bleiben die rund 30 Demonstranten weitgehend unter sich. Kritisch beobachtet wird die Versammlung allerdings von einer kleinen Gruppe, die sich unter dem Vordach des Neuen Rathauses zusammengefunden hat: Bewohner der Hermann-Röchling-Höhe, die ihren Ortsnamen behalten wollen. „Unseren Stadtteil gäbe es ohne Hermann Röchling nicht“, sagt Gerd Heckmann.
 
 
HINTERGRUND
Seit Januar 2010 kämpft eine Bürgerinitiative für die Rückbenennung der Hermann-Röchling-Höhe in Bouser Höhe. Eine Unterschriftenaktion wurde mit dem Ziel gestartet, den Stadtrat dazu zu zwingen, sich mit dem Thema zu befassen. Laut § 21 Saarländisches Kommunalselbstverwaltungsgesetz muss ein Bürgerantrag von mindestens fünf Prozent der Einwohner, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, unterzeichnet sein. Der Vorstoß der Bürgerinitiative zur Rückbenennung des Stadtteils hat bisher keine große Resonanz gefunden.