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Walsheimer Ortsschild


Alter Brauereikeller


Die Walsheimer Brauerei in den 20er Jahren


Der alte Malzturm

Pressebericht: Als Walsheim-Bier Erfolge feierte

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 12. Oktober 2009

Claudia Schoch-Zeller, Redakteurin der NZZ und Enkelin des früheren Walsheimer Brauereidirektors Dr. Hans Kanter, zeichnete auf interessante Weise die Geschichte der Walsheim-Brauerei nach.

Walsheim. Beginn der Kirmes und vollbesetzter Saal, so hat es ein Gasthausbesitzer wie Jörg Lugenbiel gern. Dass auch noch seine Vorfahren als Gründer der Walsheim-Brauerei zu Ehren kamen, steigerte das Wohlbefinden. „Wie die Walsheimer ihr Bier verloren – Intrigen, Fakten, Hintergründe“ unter diesem Titel firmierte ein beeindruckender Vortrag der Enkelin über den früheren Walsheimer Brauereidirektor Dr. Hans Kanter, Claudia Schoch-Zeller. Sie skizzierte sein Leben, sein Wirken, aber auch sein persönliches Schicksal vor und zu Beginn der NS-Zeit an der Saar. Wegen seiner französischfreundlichen Haltung und seiner jüdischen Abstammung, so die Redakteurin der Neuen Züricher Zeitung, sei er zu einem
der ersten politisch Verfolgten des Saargebietes geworden. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte der weltoffene und kulturinteressierte Chemiker und Kaufmann, dessen Tochter Marion Schoch-Kanter ebenfalls den Abend besuchte, die vormals „Königlich bayerische Hofbrauerei“ erworben und machte „Walsheim Bier“ zur Erfolgsmarke.

Nach dem Bau der neuen Betriebsanlage (1928) im modernen Bauhausstil erlebte sie ihre Blütezeit, wurde größte Braustätte an der Saar (240 000 Hektoliter Jahresausstoß). Ortshistoriker Heinz Höfler ergänzte, dass damals rund 240 Menschen ihr Auskommen fanden. Dr. Kanter, seit 1922 mit 90 Prozent Hauptaktionär, wurde durch Machenschaften 1934 als Vorstand der Brauerei abgelöst. Die Walsheim-Brauerei wurde in der Folgezeit von der NS-Propaganda häufig als „Juden-Brauerei“ beschimpft. Der von den Nazis eingesetzte neue Vorstand „verschleudert das Vermögen“ und trieb das Unternehmen bis Ende 1934 gezielt in den Konkurs. Weitere personelle Umbesetzungen und innerbetriebliche Veränderungen beschleunigten den Niedergang. Dr. Kanter wanderte nach Ende eines gegen ihn geführten Prozesses in die Schweiz aus, gründete später das noch heute in Frankreich gebraute Kanterbräu und verstarb 1937. Seine Brauerei wurde im September 1939 von französischen Truppen beschossen.

Ein Wiederaufbau scheiterte am Veto des damaligen Gauleiter Josef Bürkel. Während die Menschen noch mit einer Wiederinbetriebnahme der Brauerei rechneten, wurde diese 1942 durch eine Entscheidung des Brauereiwirtschaftsverbandes zunichte gemacht. Mit ihr wurde die Kundschaft der Walsheimer Brauerei anderen saarpfälzischen Brauereien übertragen. Ortsvorsteher Stefan Pauluhn, der auch an den Abriss der Brauerei im Jahr 1981 erinnerte, kündigte an, dass zusammen mit der Gemeinde Gersheim ein Manuskript Höflers zur Geschichte der Walsheim Brauerei publiziert werden solle. Der Abend, der vom St. Ingberter Literaturwissenschaftler Reiner Marx moderiert und vom Vorsitzenden der Peter-Imandt-Gesellschaft, Michael Quetting, eröffnet wurde, fand in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung-Saar, dem Biosphärenverein und dem Biosphärenreservat Bliesgau statt. Auch hatte Lugenbiel dank des von Doris Kratkey in Beeden biologisch angebauten Hopfens zusammen mit Kuchems Brauhaus in Pirmasens in einem „Feldversuch“ 200 Liter Bier gebraut – so wurde erstmals seit 70 Jahren in Walsheim wieder ein eigener Gerstensaft ausgeschenkt. Abschließend sang das Duo Jürgen Holzhauser und Hans Ruge als „Welturaufführung“ eine Walsheim- Hymne.

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Lieder zur Walsheimer Brauerei
Vorgetragen von Jürgen Holzhauser und Hans Ruge

Walsheimer – Brauerei – Lied

Text: Jürgen Holzhauser
Musik: Keb’mo

1. Es war emo in Walsheim
e guddie Brauerei
Die hat Feingold fa die Welt gebraut
Und dunkles Bier debei.

Sogar de Regler Guschdaf
war ohne Bier ganz krank
war’er fort, un is dann heem komm
hadda no Walsheimer velangt.

Das war sei Bier
Seit hunnad Johr gebraut -
aus’m Gau - Walsheim Bier.

Im scheene Walsheim - dem kleene
ruhische Dörfche im Bliesgau
hat ma iwwa hunnad Johr
Bier gebraut.

Ned in Neinkerje – ned in Humborsch
han die e Bier gebraut, so fein.
das war’s beschde Bier im Saarland
aus de Brau_erei Walsheim.

2. Die Nazis han de Kanter,
wä seiner Mamme fortgejaad;
de Rescht besorschd de Bürgel,
om’s Bier wars mee wie schad.

Schun seit iwwer sechzisch Johr
Is die Brauerei jetzt dicht
Zappe wars mem zappe
soweit geht die alt Geschicht.

Aus wars mem Bier
es wurd nix mee gebraut -
im Gau - kenn Walsheim Bier.

Im scheene Walsheim - dem kleene
ruhische Dörfche im Bliesgau
hat ma iwwa hunnad Johr
Bier gebraut.

Ned in Saarbrigge – ned in Dingmert
han die e Bier gebraut, so fein.
das war’s beschde Bier im Saarland
aus de Brauerei Walsheim.

No langem Warte is die Zeit jetzt rom
Heit freie sich die Leit im Dorf,
un de Gaschtronom!

3. Heid gebbs es erschde Mol
widda no alda Rezepdur
gebrautes Bier beim Luggebiel
es liebscht rund um die Uhr.

So drink ich’s werglich gäre
„Das Wasser aus der Biosphäre“
Machs nächschde Fass schnell uff
heit mache ma enna druff.

Med dem wunnabar Bier
Ganz frisch gebraut
im Gau - Walsheim Bier. Bier.

Im scheene Walsheim - dem kleene
ruhische Dörfche im Bliesgau
hat ma iwwa hunnad Johr
Bier gebraut.

Un heit owend gebts beim Lugebiehl
fa de Wert und fa die Leid
vun dem Bier – dem wunnabare
’s war aa Zeit - allaheegschdie Zeit!

Endlich widda Bier
ganz frisch gebraut –
im Gau - Walsheim Bier.


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Bier maan ich han (Here comes the sun)

Text: Jürgen Holzhauser
Musik: George Harrison

Bier maan ich han,
das aus Walsheim,
Bier maan ich han,
ich han sooo Dorscht!

1. Gun Dach Werdsfraa,
greif deer mol schnell
e großes Pilsglas
Gun Dach Werdsfraa,
ich komm’ma vor
wie ausgederrt.

Bier maan ich han,
fang aan se zappe,
Bier maan ich han,
ich han sooo Dorscht!

2. Gummo, Luggebiehl,
wie stolz das schaumt,
wenns in mei Glas laaft.
Gummo Luggebiehl,
do wachst e
Scheenes Walsheim Bier.

Bier maan ich han,
fang aan se zappe,
Bier maan ich han,
ich han sooo Dorscht!

Bier – Hahn – aan, zapp jetzt aan!
Bier – Hahn – aan, sunschd werds waam!
Bier – Hahn – aan, mach jetzt voraan!
Bier – Hahn – aan, hall druff am Hahn!
Bier – Hahn – aan, jetzt maan ichs han!

3. Danke, Werdsfraa,
das zischt, das kühlt,
das schmackt so gut.
Sieschde Werdsfraa,
jetzt krien ich Ruh,
jetzt geht’s ma gut.

Bier maan ich han,
zabb glei noch ens
Bier maan ich han,
ich han sooo Dorscht!